• 160 Jahre Schmitt + Sohn. Teil 2

In unserer achtteiligen Reihe anlässlich zu unserem Jubiläum geben S+ Führungspersönlichkeiten Ein- und Ausblicke in das Unternehmen sowie die Branche.

Maximilian Schmitt, geschäftsführenden Gesellschafter bei S+, haben wir dafür folgende Frage gestellt:

S+: Herr Schmitt, welche Bedeutung hat das Thema „Nachhaltigkeit“ für S+?

Maximilian Schmitt: Prognosen zufolge wird sich die Stadtbevölkerung bis 2050 weltweit von heute knapp 4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Menschen vergrößern. Etwa zwei Drittel der Menschheit wird dann in Städten leben und auf eine entsprechende urbane Infrastruktur angewiesen sein. Der Trend zur Urbanisierung ist weltweit spürbar – etwa in gesteigerten Bauaktivitäten. Aber bereits jetzt ist der Bau- und Gebäudesektor in Europa für fast die Hälfte des Ressourcen- und Energieverbrauchs, ein Drittel des Wasserverbrauchs und ein Drittel des Abfallaufkommens verantwortlich. Ob der Menschheit ein gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingt, wird sich also maßgeblich in Städten entscheiden:
Kann es gelingen, die Umweltauswirkungen im Gebäudesektor zu minimieren und gleichzeitig einer steigenden Anzahl von Menschen den nötigen Raum für ein gutes und gerechtes Leben zu bieten? Welchen Beitrag können wir als europäisches Aufzugsunternehmen leisten, um unserer Verantwortung auch für nachfolgende Generationen gerecht zu werden?
Da die ständige Verbesserung in der DNA von S+ als Familienunternehmen tief verankert ist und wir den kompletten Produktzyklus eines Aufzuges begleiten, ist unser Ansatz ein ganzheitlicher, stetiger Prozess entlang der Wertschöpfungskette.
Beginnend in der Entwicklung unserer Aufzüge, bei der wir einen großen Fokus auf Energieeffizienz neuer Produkte legen: zum Beispiel mit getriebelosen, effizienten Antrieben, die nur noch einen Bruchteil an Strom benötigen. Eine Steuerung, die bei Nichtbenutzung der Aufzugsanlage in einen Stand-by-Modus fährt sowie die fast schon obligatorische Kabinenlichtabschaltung sorgen dafür, das bei Nichtgebrauch (ein Aufzug in einem normalen Mehrfamilienwohnhaus steht zu durchschnittlich 95 % der Zeit) der Stromverbrauch minimal ist. Wir denken aber auch über den eigentlichen Aufzug hinaus und haben bereits 2013 mit dem X-Trac ein Produkt entwickelt, dass die Heizkosten eines Gebäudes signifikant senken kann, indem es die gesetzlich vorgeschriebene Entrauchungsöffnung im Schacht verschließt und nur im Brandfall öffnet, um so den Rauch ins Freie entweichen zu lassen. Circa 20 Prozent unserer Kunden entscheiden sich bei der Neuerrichtung ihres Gebäudes bereits für diese Option.

In der Produktion achten wir mit den positiven wirtschaftlichen Nebeneffekten auf die Minimierung von Verschwendung sowohl bezüglich Material- und Maschineneinsatz als auch bezüglich unserer Prozesse. Erst vor einigen Jahren haben wir an unserem Produktionsstandort Porto aus Gründen der Nachhaltigkeit von einer Nasslackierung auf eine Pulverbeschichtungsanlage umgestellt, um insbesondere die Wasserverschwendung und den Einsatz von chemischen Reinigungsmitteln drastisch zu senken.

Eine effiziente Montage und ein daran anknüpfender Service runden diese Gesamtbetrachtung ab. Durch unser Produkt NEXSD®, ist eine vorbeugende Instandhaltung möglich und unser Servicetechniker weiß bereits bei der Mitteilung über eine vorliegende Störung, welches Ersatzteil er benötigen wird, um so doppelte Anfahrten zu vermeiden.
 
Den größten Effekt erzielt man natürlich, indem man langlebige, qualitativ hochwertige Produkte entwickelt. In unserer leider immer noch weit verbreiteten Wegwerfgesellschaft keine Selbstverständlichkeit. Umso eindrucksvoller ist es, dass wir einem unserer Kunden vor Kurzem einen goldenen Wartungsvertrag überreicht haben, da er einen unserer Aufzüge im Originalzustand seit 100 Jahren durch uns betreuen lässt.

Neben diesen Kernbereichen ist es uns auch wichtig, sichtbare Zeichen zu setzen: So haben wir über 2.000 m2 ungenutzte Fläche in unserer Coburger Niederlassung in eine blühende Bienenwiese verwandelt. Solche Aktionen geben auch allen Mitarbeitenden das richtige Mindset, täglich in ihren Bereichen nachhaltig zu arbeiten und Ideen diesbezüglich in unser transparentes Verbesserungsvorschlagswesen einzubringen, um so jeden Tag ein Stückchen besser zu werden.

S+: Sehr geehrter Herr Schmitt, ganz herzlichen Dank für diese ausführliche Erläuterung.